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Ist Gott gerecht?

31. Mai
2 Min. Lesezeit
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Warum wird ein Mensch in Liebe geboren und ein anderer in Angst?


Warum scheint dem einen das Leben Türen zu öffnen, während der andere ein Leben lang kämpfen muss?


Warum kommt ein Kind gesund zur Welt und ein anderes mit Belastungen, die es sich nie ausgesucht hat?


Wenn wir ehrlich sind, haben wir uns diese Frage alle schon einmal gestellt.


Vielleicht nicht laut.


Vielleicht nur in einer schweren Stunde.


Aber die Frage ist da:


Ist das gerecht?


Und wenn es einen Gott gibt – ist Gott dann gerecht?


Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr fiel mir auf, dass jede Vorstellung von Gerechtigkeit einen Vergleich voraussetzt.


Ich schaue auf dein Leben.


Ich schaue auf mein Leben.


Und dann entscheide ich, wer mehr und wer weniger bekommen hat.


Doch kann man zwei Leben überhaupt vergleichen?


Während ich darüber nachdachte, fiel mir ein Bild ein.


Stell dir einen alten Eichenbaum vor.


Im Herbst fallen hunderte seiner Früchte zu Boden.


Die eine landet auf feuchter Erde nahe eines kleinen Baches.


Die andere auf trockenem, hartem Boden.


Aus Sicht der kleinen Frucht scheint die Sache eindeutig.


Die eine hat Glück.


Die andere Pech.


Die eine beginnt zu wachsen.


Die andere wartet.


Und während sie wartet, schaut sie immer wieder hinüber.


Warum dort?


Warum nicht hier?


Warum sie?


Mit jedem Blick wird ihr Schmerz größer.


Nicht wegen des Bodens.


Nicht wegen der Sonne.


Sondern weil sie ein anderes Leben haben möchte.


Sie kämpft gegen ihre Erfahrung an.


Sie vergleicht.


Sie hofft.


Sie hadert.


Bis sie eines Tages müde wird.


Müde vom Kämpfen.


Müde vom Vergleichen.


Müde davon, etwas anderes sein zu wollen.


Und zum ersten Mal schaut sie nicht mehr zur anderen Frucht.


Sondern auf den Boden, auf dem sie selbst liegt.


Zum ersten Mal spürt sie die Erde.


Die Stille.

Die Verbindung.


Und in diesem Augenblick geschieht etwas Merkwürdiges.


Nicht die Welt verändert sich.


Sondern ihr Bewusstsein.


Sie erkennt, dass ihr größter Schmerz nie der trockene Boden war.

Sondern ihr Widerstand gegen ihn.


Und als dieser Widerstand verschwindet, spürt sie etwas,

das sie vorher nie wahrgenommen hat.


Den Baum, aus dem sie hervorgegangen ist.


Die Erde.

Die Wurzeln.

Den Wald.


Plötzlich versteht sie:


Sie musste nie etwas anderes werden.


Sie musste nicht erst wachsen.


Nicht erst erfolgreicher, stärker oder größer werden.


Denn das, wonach sie sich ihr ganzes Leben gesehnt hatte, war bereits da.


Der Wald war nie außerhalb von ihr gewesen.


Er war die ganze Zeit in ihr.


Vielleicht beginnt Frieden genau in dem Moment, in dem wir aufhören, jemand anderes sein zu wollen, und uns ganz auf die Erfahrung einlassen, die das Leben gerade durch uns machen möchte.


Erinnere dich - du bist nicht die Glühbirne, du bist das Licht.


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