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Für wie begehrenswert hältst du dich wirklich?

20. Aug.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Aug.

Begehrenswert . Erfahrung . Christian Vorsmann . Marsberg . Bewusstsein . Liebe . Frieden


Auf einer Skala von 1 bis 10 – welche Zahl würdest du dir geben?

Bist du begehrenswert?


Nicht lange überlegen.

Welche Zahl war zuerst da?

Eine 7?

Warum keine 9?

Eine 4?

Warum keine 7?


Und wenn wir wirklich ehrlich sind:

Wie viele Menschen würden sich selbst eine 9 oder 10 geben

– und davon auch wirklich überzeugt sein?


Nicht nach außen.

Sondern tief in uns.


Dabei wissen wir heute unglaublich viel über Selbstwert.

Wir kennen Glaubenssätze, das innere Kind, familiäre Prägungen.

Wir lesen Bücher, hören Podcasts, besuchen Seminare.

Und Social Media erinnert uns täglich daran:


Du bist gut genug.

Du bist wertvoll.

Du musst dich nur selbst lieben.


Alles verstanden.

Aber hat es wirklich etwas verändert?



Wer hat dir eigentlich

deine Zahl gegeben?



Du bist nicht mit einer 4 auf die Welt gekommen.

Diese Zahl ist entstanden.

Durch Erfahrungen.

Oder genauer:


Wie viel Liebe ist bei dir angekommen?

Wie sehr hast du dich von deiner Mutter gesehen und geliebt gefühlt?

Wie sehr von deinem Vater?

Was geschah, wenn du einen Fehler gemacht hast?

Musstest du funktionieren, dich anpassen, leisten, lieb sein?

Ein Kind macht daraus keine psychologische Analyse.


Es erlebt.

Ich bin willkommen.


Oder:

Ich bin nicht gut genug.


Und aus solchen Erfahrungen entstehen Glaubenssätze und Strategien.

Wir werden perfektionistisch. Wir leisten. Wir passen uns an. Wir ziehen uns zurück.

Wir kritisieren uns lieber selbst, bevor es jemand anderes tut.


Und Jahrzehnte später haben wir unsere Geschichte vielleicht längst verstanden.

Dann kommt eine E-Mail.

Der Partner kritisiert uns.

Der Chef ist unzufrieden.

Jemand hält sich nicht an eine Verabredung.


Und zack.


Da ist nicht nur Ärger.

Da ist dieses alte Gefühl:

Ich bin nicht wichtig genug.

Ich bin nicht gut genug.

Jemand anderes ist mehr wert als ich.


Das Erstaunliche daran:

Unser erwachsener Kopf weiß es längst.

Aber etwas in uns hat etwas anderes erlebt.



Erkenntnis öffnet die Tür.

Erfahrung geht hindurch.



Du kannst deine Glaubenssätze kennen, deine Eltern verstehen,

Familienmuster erkennen und wissen, woher deine Verletzungen kommen.

Das alles ist wichtig.


Aber irgendwann kommt die entscheidende Frage:


Hat sich dadurch dein tiefes Erleben deiner selbst verändert?


Denn das Kind in dir hat damals keine falsche Theorie gelernt.


Es hat eine Erfahrung gemacht.


Vielleicht versuchen wir deshalb seit Jahren, mit Erkenntnissen etwas zu verändern, das durch Erfahrungen entstanden ist.


Und dann brauchen wir nicht noch mehr Wissen darüber, dass wir wertvoll sind.


Wir brauchen eine neue Erfahrung.


Nicht noch ein Kompliment.

Nicht noch einen Menschen, der uns bestätigt.

Sondern vielleicht eine Erfahrung, die unsere bisherige Vorstellung davon infrage stellt,

wer wir überhaupt sind.


Genau hier hat sich für mich

etwas verändert


Meine tiefsten Veränderungen kamen nicht durch das nächste Wissen.

Sie kamen durch Erfahrungen.


In Aufstellungen habe ich Phänomene erlebt,

für die ich bis heute keine einfache Erklärung habe.


Ich habe Menschen in Hypnose und Trance begleitet und erlebt,

wie plötzlich Tränen kamen. Wie jemand mit tausend Gedanken und Problemen in eine tiefe Entspannung ging – und diese Probleme für einen Moment jede Bedeutung verloren.


Wie Menschen anschließend versuchten, etwas in Worte zu fassen,

das sich kaum in Worte fassen ließ.


Frieden. Liebe. Verbundenheit.


Und manchmal dieses Staunen:

Was war das gerade?

Genau solche Momente interessieren mich.

Denn plötzlich wird aus einer Idee eine Erfahrung.


Vielleicht gibt es wirklich mehr.

Vielleicht bin ich mehr.


Mehr als mein Körper.

Mehr als meine Geschichte.

Mehr als meine Verletzungen.

Mehr als die Bewertungen, die ich über Jahrzehnte gesammelt habe.


Und plötzlich stellt sich eine ganz andere Frage:


Wenn ich mehr bin als meine Form – was genau versuche ich dann eigentlich

von 1 bis 10 zu bewerten?



Vielleicht suchen wir

die ganze Zeit etwas anderes


Wir wollen Anerkennung.

Wir wollen geliebt und begehrt werden.

Wir wollen dazugehören.

Vielleicht suchen wir hinter all dem vor allem eines:


Verbindung.


Wir suchen sie von Geburt an.

In unseren Eltern,

unseren Partnern,

unserer Familie,

in Freundschaften,

Sexualität und Zugehörigkeit.


Und trotzdem kann etwas fehlen.


Vielleicht deshalb, weil kein anderer Mensch dauerhaft die Aufgabe übernehmen kann, uns unseren Wert zu beweisen.


Vielleicht reicht diese Sehnsucht nach Verbindung viel weiter.

Bis zu unserem Ursprung.



Für diesen Ursprung

habe ich ein Wort: Gott.


Und ich meine damit nicht Religion.

Ich meine etwas, das größer ist als wir.

Eine Wirklichkeit, ein Bewusstsein, eine Energie,

mit der wir verbunden sind.


Man kann daran glauben. Oder nicht.


Entscheidend wird es für mich dort, wo aus Glauben Erfahrung wird.


In dem Moment, in dem ein Mensch nicht mehr nur denkt, dass da vielleicht etwas Größeres ist, sondern etwas davon wahrnimmt, verändert sich die Perspektive.


Wenn wir den Widerstand für einen Moment aufgeben und uns dieser Verbindung hingeben können, verlieren manche Dinge, die eben noch riesengroß erschienen, plötzlich ihre Macht.


Und vielleicht erkennen wir dann etwas, das sich mit keiner Skala messen lässt:


Ich bin das Licht.


Mein Körper, meine Persönlichkeit, meine Geschichte sind die einzigartige Erscheinungsform, durch die dieses Licht in dieser Welt sichtbar wird.


Die Form muss keine 10 werden.


Sie muss überhaupt keine Zahl mehr sein.


Denn wenn aus dieser Erkenntnis eine Erfahrung wird, verändert sich die Frage nach unserem Wert selbst.


Erkenntnis öffnet die Tür.

Erfahrung geht hindurch.



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