WER GEWINNT?
- Christian Vorsmann

- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Es liegt in deiner Macht.

Wenn ich das Weltgeschehen beobachte, merke ich manchmal, wie Wut in mir entsteht. Kriege, Machtspiele, politische Entscheidungen. Schnell entsteht das Gefühl, dass Recht oft weniger mit Gerechtigkeit zu tun hat als mit Macht.
Doch irgendwann habe ich begonnen, eine andere Frage zu stellen.
Nicht mehr: Was stimmt mit dieser Welt nicht?
Sondern: Warum berührt mich das eigentlich so stark?
Denn vielleicht erzählt diese Wut weniger über die Welt – als über uns selbst.
Fast jeder Mensch kennt sie: die Erfahrung von Ohnmacht.
Sie beginnt oft schon sehr früh im Leben.
Als Kinder leben wir immer in einem System, das wir nicht kontrollieren können. Andere setzen Regeln. Andere treffen Entscheidungen. Andere bestimmen, was möglich ist und was nicht.
Ganz gleich, wie unsere Kindheit war – eines war immer gleich:
Wir hatten damals keine wirkliche Macht.
Wir waren abhängig. Wir waren ausgeliefert. Wir waren machtlos.
Selbst die elementarste Frage unseres Lebens liegt nicht in unserer eigenen Hand.
Ob wir überhaupt geboren werden, entscheiden andere.
Diese Erfahrung gehört zum Menschsein.
Vielleicht entsteht daraus später eine tiefe Sehnsucht nach Kontrolle. Nach einer Welt, in der alles gerecht ist. Nach einer Welt, in der Macht keine Rolle spielt.
Doch wenn wir dann sehen, wie die Welt tatsächlich funktioniert, berührt das wieder diesen alten Punkt in uns. Und daraus entsteht Wut.
Aber vielleicht liegt Würde gar nicht darin, die Welt zu kontrollieren.
Vielleicht liegt sie darin, anzuerkennen, dass wir vieles nie kontrolliert haben.
Wir haben unsere Geburt nicht kontrolliert.
Wir kontrollieren nicht die großen Bewegungen der Weltgeschichte.
Und wir kontrollieren nicht, wie andere Menschen handeln.
Aber wir können entscheiden, wie wir darauf reagieren.
Hier beginnt wahre Stärke.
Viele Menschen denken dabei an Jesus Christus. Einen Menschen, der einem mächtigen System gegenüberstand und dennoch seine Würde nicht verlor. Ob man diese Geschichte historisch oder symbolisch betrachtet – sie zeigt etwas Entscheidendes:
Wahre Stärke entsteht nicht aus Macht.
Sie entsteht aus innerer Freiheit.
Ein Mensch kann erkennen, dass er vieles nicht in der Hand hat – und trotzdem ehrenhaft bleiben. Trotzdem liebevoll bleiben. Trotzdem menschlich bleiben.
Wir werden die Konflikte dieser Welt wahrscheinlich nicht lösen können.
Aber wir können entscheiden, was sie in uns auslösen.
Ob der Krieg draußen auch Krieg in uns erzeugt.
Oder ob wir lernen, innerlich Frieden zu bewahren – selbst in einer unruhigen Welt.
Viele Menschen glauben, sie seien die Glühbirne. Ein Körper, ein Leben, eine Persönlichkeit.
Doch vielleicht sind wir gar nicht die Glühbirne.
Vielleicht sind wir das Licht.
Die Glühbirne kann beschädigt werden. Sie kann zerbrechen. Doch das Licht selbst verschwindet nicht.
Und wer das wirklich erkennt, verliert die Angst vor der Ohnmacht.
Denn sie betrifft nur die Glühbirne.
Nicht das Licht.
Am Ende bleibt nur eine Frage:
Wer gewinnt?
Der Krieg der Welt –oder der Frieden in dir.
Es liegt in deiner Macht.



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